LED-Screens wirken neu – die Physik dahinter ist über 100 Jahre alt. Ein kurzer Abriss von der Erfindung bis zu den spektakulärsten Wänden der Welt.
Den Effekt der Elektrolumineszenz beschrieb H. J. Round bereits 1907, der Russe Oleg Lossew erforschte ihn in den 1920ern. Die erste praktisch nutzbare, sichtbare (rote) Leuchtdiode baute Nick Holonyak Jr. 1962 bei General Electric – er gilt als „Vater der sichtbaren LED“. Lange gab es jedoch nur Rot, Grün und Gelb.
Der Durchbruch zur Vollfarbe kam erst mit der blauen LED: Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shuji Nakamura entwickelten sie Anfang der 1990er-Jahre effizient und bezahlbar – dafür erhielten sie 2014 den Physik-Nobelpreis. Erst Blau + Rot + Grün ergibt jedes Bild und weißes Licht. Ohne die blaue LED gäbe es keine LED-Videowand.
Erste große monochrome LED-Anzeigen entstanden in den 1980ern. Vollfarbige Großbild-LED-Wände wurden erst nach der blauen LED (Mitte/Ende der 1990er) praxistauglich – zunächst grobpixelig für Stadien und Plätze, dann mit immer feineren Pixelabständen bis hin zu heutigem Fine-Pitch und Micro-LED für Innenräume.
Der Times Square in New York ist das Lehrbuchbeispiel: extrem hohe Passantenfrequenz, eine Bauauflage, die Fassaden zu hellen Werbeflächen verpflichtet, und eine Dichte leuchtender Screens, die selbst zum Ziel wird. Werbeflächen dort zählen zu den teuersten der Welt – nicht trotz, sondern wegen der Reizüberflutung: Wer hier präsent ist, signalisiert Weltrang.
Las Vegas treibt das Spektakel auf die Spitze. Die Sphere (Eröffnung 2023, Baukosten rund 2,3 Mrd. US-Dollar) ist die radikalste LED-Architektur der Welt: Die Außenhülle „Exosphere“ umfasst rund 54.000 m² programmierbare LED-Fläche mit etwa 1,2 Millionen LED-„Pucks“ (je 48 Dioden, 256 Mio. Farben); im Inneren spannt sich ein 16K-Wraparound-LED-Screen über rund 15.000 m². Sie zeigt, wohin die Reise geht: LED wird vom Bildschirm zur Gebäudehaut.
Die Mega-Projekte aus den USA setzen den kreativen Maßstab – die wirtschaftliche Dynamik im Alltag passiert aber zunehmend in Europa, allen voran in Deutschland. Mehr dazu im DOOH-Marktreport →